Sany e263 4x2: Der nächste China-Lkw geht an den Start

18.06.2026 11:10 Uhr | Lesezeit: 4 min
Ansicht der Sany-Sattelzugmaschine von links seitlich. Die Solo-Sattelzugmaschine ist blau lackiert
Die batterieelektrische Sattelzugmaschine präsentiert eine absolut eigenständige Optik
© Foto: VerkehrsRundschau/Jan Burgdorf

Der chinesische Hersteller ist in Europa schon länger im Bereich der Baumaschinen aktiv und schickt nun seine batterieelektrische Sattelzugmaschine "e263 4x2" ins Rennen. Für die werden 500 Kilometer Reichweite versprochen – und ein niedriger Preis.

Den Namen Sany verbinden Sie eher mit Baumaschinen als mit Lastwagen? Kein Wunder, schließlich kommt der Hersteller aus dem chinesischen Changsha ursprünglich aus der Branche der Betonpumpen, erweiterte sein Portfolio mit den Jahren aber um weitere Produkte wie Bagger, Radlader oder Mobilkräne.

Längst gehören aber auch Lastwagen zum Portfolio, wo Sany auf beeindruckende Zahlen verweisen kann: Über 25.000 Lkw mit batterieelektrischem Antrieb hat man im vergangenen Jahr allein in China ausgeliefert und steht damit nach eigenen Angaben auf dem Heimatmarkt klar an der Spitze.

Anders als bei anderen Lkw-Marken wie Superpanther oder Windrose, die sich schon in Europa zeigen, haben wir es hier also eher mit einem Giganten, als einem Startup zu tun. Und der will sich künftig ein großes Stück vom Kuchen des europäischen Marktes der Elektro-Sattelzugmaschinen herausschneiden.

Bis zu 993 PS Leistung

Die Waffe dafür hört auf den unaufgeregten Namen „e263 4x2“ und gelangt als Komplettfahrzeug nach Europa. Die technischen Daten gliedern sich auf den ersten Blick unauffällig ins Marktumfeld ein. Direkt an der Hinterachse positioniert finden sich zwei Elektromotoren, die gebündelt 420 kW (571 PS) Dauerleistung oder kurzzeitig sogar 730 kW (993 PS) an die Antriebsräder drücken.

Zwischengeschaltet ist ein Zweigang-Getriebe, das seinen Platz ebenfalls an der von Sany selbst entwickelten E-Achse hat. Aufhorchen lassen die technischen Angaben der vom chinesischen Zulieferer EVE-Energy zugelieferten LFP-Batterien. Dass die Chinesen hier 636 Kilowattstunden installierte Kapazität unterbringen, ist dabei nicht rekordverdächtig, dass satte 98 Prozent davon nutzbar ausgeführt sind, dagegen schon.

Rein rechnerisch stehen so 623 kWh für den Vortrieb des e263 zur Verfügung, weshalb 500 Kilometer mit einer Akkufüllung unter allen Beladungszuständen kein Problem sein sollten.

CCS-Nachladen mit bis zu 400 Kilowatt

Hohe Werte verspricht Sany auch beim anschließenden Nachladen, dass mit bis zu 400 Kilowatt an der CCS -Ladesäule erfolgt. Alternativ könnte man auch ein Megawattladen mit bis zu 700 kW simulieren, in man die beiden serienmäßigen Ladebuchsen (rechts und links) gleichzeitig nutzt.

Allerdings erachten wir es aktuell als eher schwierig, zwei entsprechend positionierte Hochleistungsladesäulen zu finden.

Eigenständig gefertigtes Fahrerhaus

Technisch scheint der e263 also absolut auf dem Stand, aber wie sieht es in Sachen Fahrerhaus aus? Das fertigt Sany ebenfalls selbst und seine Optik wirkt modern und hebt sich mit der komplett geschlossenen Front aus der Masse der Lkw auf unseren Straßen heraus.

Lediglich der nachträglich unten angebrachte Stahlträger, der für die hiesigen Anforderungen der Passiven Sicherheit nötig wird, wirkt etwas plump und dürfte auch in Sachen Aerodynamik nicht die beste Lösung sein? Gleiches gilt für die analogen Außenspiegel – ein Kamerasystem hat Sany bis auf Weiteres nicht zu bieten.

Irgendwie wohl bekannt wirken die Türgriffe, die von ihrer Machart her denen des aktuellen MAN TGX ähneln, Nach dem Öffnen des Portals, führen vier Stufen problemlos und bequem in die Sattelzugmaschine, die das raumspendende Hochdach immer serienmäßig trägt.

Innen sollen zahlreiche Kunstlederapplikationen in ungewöhnlichem Rot Noblesse ausstrahlen. Da Sany ansonsten aber ausschließlich eher billig wirkendes  Hartplastik verwendet, möchte das nicht so ganz gelingen. Hier ist der Chinese (noch) nicht auf der Höhe seiner europäischen Wettbewerber angekommen.

Im e263 4x2 finden sich noch viele analoge Schalter

Wichtiger als das ist bei einem Nutzfahrzeug allerdings die Bedienbarkeit bei der der e263 Pulspunkte sammelt. Einerseits, weil die zeitgemäß digitalen Zentralinstrumente übersichtlich dargestellt sind und der große Touchscreen in der angewinkelten Mittelkonsole eine schnell erfassbare Bedienlogik aufweist.

Besonders freut es uns aber, dass sich im Sany wichtige Funktionen, wie die Steuerung für Heizung/Lüftung oder die Differenzialsperre noch über analoge und damit kinderleicht bedienbare Drehknöpfe beziehungsweise Schalter regeln lassen. Auch sonst findet sich alle wichtigen Bedienelemente dort, wo man sie instinktiv vermutet.

Am rechten Lenkstockhebel wird die Fahrtrichtung vorgegeben, bevor man den Taster der serienmäßig elektronisch gesteuerten Feststellbremse in der Mittelkonsole nach hinten drückt.

Bis zu 30 Prozent günstiger

Mit dem Tritt aufs Fahrpedal setzt sich die Sattelzugmaschine in Bewegung. Letzterer sollte allerdings vorsichtig erfolgen, denn die beiden E-Motoren der E-Achse setzen jeden Befehl umgehend in nachdrücklichen Vortrieb um.

Auch die fünfstufige Rekuperation zum Verzögern – ebenfalls wie gewohnt über den rechten Lenkstockhebel anwählbar – geht eher massiv zur Sache. Insgesamt wirkt der Sany auf unserer ersten Testfahrt nicht ganz so perfekt abgestimmt, wie man das von anderen E-Lkw kennt.

Eigenschaften, die ihm seine Käufer aber wahrscheinlich verzeihen werden. Denn der Preis für einen e263 4x2 dürfte heiß sein. Zwar nennt auch Sany keine konkreten Zahlen, verspricht aber, die hiesigen Anbieter von E-Lastwagen um bis zu 30 Prozent unterbieten zu wollen.

Den Service übernimmt Alltrucks

Dass selbst das günstigste Produkt einen funktionierenden Service benötigt, ist den Sany-Leuten dabei klar. Der e263 wird von der freien Kette „Alltrucks“ mit europaweit 650 Werkstätten gewartet und repariert – eine Lösung, die man schon von anderen chinesischen Anbietern kennt.

Allerding kann Sany einen weiteren Trumpf ausspielen. Schließlich hat man 2012 den bekannten Betonpumpen-Produzenten Putzmeister aus Aichtal bei Stuttgart übernommen. Und der verfügt für seine Produkte bereits über ein europaweit bestens funktionierendes Ersatzteil- und Vertriebsnetz. Dieses wird auch den Schnell-Versand der Ersatzteile des e263 übernehmen. Zusätzlich hilft Putzmeister bei Zulassungsanforderungen und kennt die Bedürfnisse der hiesigen Kundschaft.

Daher ist es kein Wunder, dass Sany am Anfang vorrangig den Bausektor als Kundschaft für seine batterieelektrische Sattelzugmaschine anpeilt. Die ihren Kippsattel oder Schubboden dann bestenfalls mit einem Radlader oder Bagger aus dem Konzern belädt.


Die neue batterieelektrische Sattelzugmaschine von Sany in Bildern

Der Sany e263 4x2 also Solosattelzugmaschine in der seitlichen Frontansicht. Die Sattelzugmaschine ist hellblau lackiert Bildergalerie

HASHTAG

#Elektro-Lkw


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


TRUCKER – Das Magazin für Lkw-Fahrer im Nah- und Fernverkehr: Der TRUCKER ist eine der führenden Zeitschriften für Lkw-Fahrer und Truck-Fans im deutschsprachigen Raum. Die umfangreichen TRUCKER Testberichte zu LKWs und Nutzfahrzeugen gehören zu den Schwerpunkten der Zeitschrift und gelten als Referenz in der Branche. Der TRUCKER berichtet monatlich über die Themen Test und Technik, Show-Truck, Arbeitsrecht, Service, Unterhaltung.