Lockerung des Sonntag-Fahrverbots führt nicht zu Staus

19.08.2026 08:34 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lkw fährt über eine Brücke über den von Niedrigwasser betroffenen Rhein bei Bendorf
Die Straße kann laut BGL punktuell und besonders bei dringlichen Transporten helfen, die ausfallenden Kapazitäten der Binnenschifffahrt nicht komplett ersetzen
© Foto: picture alliance/dpa/Thomas Frey

Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonntagen wegen des Niedrigwassers hat laut ADAC bisher nicht zu größeren Staus auf deutschen Straßen geführt.

„Insgesamt gab es am Sonntag weniger Staus als am Sonntag der Vorwoche“, teilte ein Sprecher des Automobilclubs der „Deutschen Presse-Agentur“ mit und verwies auf eine Bilanz des ADAC für das vergangene Wochenende. Auch im Vergleich zum Sonntag des Vorjahres gebe es keine Auffälligkeiten. Die Zahl der Staus sei zwar etwas höher als 2025, aber Länge und Dauer seien geringer. „Die Aufhebung des Lkw-Fahrverbots hatte am vergangenen Sonntag daher kaum Auswirkungen auf das bundesweite Verkehrsgeschehen.“

Kein flächendeckend höheres Lkw-Aufkommen

Auch der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) sieht keine großen Folgen im Verkehr. „Nach dem bisherigen Kenntnisstand können wir von einem flächendeckend erheblich höheren Lkw-Aufkommen nicht sprechen“, sagte BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt. In Nordrhein-Westfalen sei nach erster Beobachtung ein leicht erhöhtes Lkw-Aufkommen festgestellt worden. „In Bayern war am vergangenen Wochenende dagegen kaum eine Zunahme zu beobachten. Auch aus Baden-Württemberg wurde bislang kein erhöhtes Stauaufkommen gemeldet.“

Fahrverbot für Lkw vorübergehend gelockert

Um die Folgen des Niedrigwassers zu dämpfen, haben die meisten Bundesländer das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen vorübergehend gelockert. Damit sollen Güter, die wegen der niedrigen Pegelstände am Rhein und anderen Flüssen nur schwer per Schiff transportiert werden können, auf die Straße verlagert werden. Kritik an der vorübergehenden Lockerung des Sonntags-Fahrverbots kam von Grünen, Linken und Umweltverbänden.

Lockerung bringt kein zusätzliches Fahrpersonal

Die zusätzlichen Möglichkeiten zum Verlagern von Transporten würden bislang „offenbar in überschaubarem Umfang“ genutzt, sagte Engelhardt. „Die Lockerung des Sonntags-Fahrverbots kann vorhandene Kapazitäten flexibler nutzbar machen, schafft aber weder zusätzliche Fahrer noch zusätzliche gesetzliche Lenkzeiten.“ So fehlen nach früheren BGL-Angaben seit Jahren mehr als 100.000 Fahrer in Deutschland. Auch sei ein großer Teil der Fahrzeuge für bestehende Transporte eingeplant. Die Transportmöglichkeiten per Lkw seien ohnehin begrenzt, wie Engelhardt betonte.

Straße kann Binnenschifffahrt nicht ersetzen

Laut Engelhardt müssten schätzungsweise rund sechs Millionen Tonnen Fracht pro Monat anderweitig bewegt werden. „Das entspräche rechnerisch gut 3000 Güterzügen oder rund 250.000 Lkw-Ladungen.“ Die Straße könne punktuell und besonders bei dringlichen Transporten helfen, könne aber die ausfallenden Kapazitäten der Binnenschifffahrt in dieser Größenordnung nicht ersetzen. Auf Binnenschiffen werden vor allem Massengüter wie Erze, Kohle, Baustoffe oder Mineralölprodukte transportiert. „Eine beispielhafte Schiffsladung von 1500 Tonnen entspricht bei einer angenommenen Lkw-Nutzlast von 25 Tonnen rund 60 Lkw-Ladungen“, rechnete Engelhardt vor.

HASHTAG

#LKW


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


TRUCKER – Das Magazin für Lkw-Fahrer im Nah- und Fernverkehr: Der TRUCKER ist eine der führenden Zeitschriften für Lkw-Fahrer und Truck-Fans im deutschsprachigen Raum. Die umfangreichen TRUCKER Testberichte zu LKWs und Nutzfahrzeugen gehören zu den Schwerpunkten der Zeitschrift und gelten als Referenz in der Branche. Der TRUCKER berichtet monatlich über die Themen Test und Technik, Show-Truck, Arbeitsrecht, Service, Unterhaltung.