Im lange schwelenden Zollstreit zwischen den USA und der Europäischen Union droht eine neue Eskalation. US‑Präsident Donald Trump kündigte an, die Zölle auf Auto‑ und Lastwagenimporte aus der EU von bislang 15 auf 25 Prozent anzuheben. Die Maßnahme soll nach seinen Angaben ab kommender Woche gelten. Die Ankündigung erfolgte kurz vor dem Wochenende über Trumps Plattform Truth Social.
Zur Begründung erklärte Trump, die Europäische Union habe sich nicht an die zuvor getroffene Vereinbarung gehalten. Damit setzt er ein Handelsabkommen erneut unter Druck, das eigentlich für Stabilität sorgen sollte.
Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf ein Rahmenabkommen geeinigt. Es sah eine Zollobergrenze von 15 Prozent für die meisten EU‑Warenimporte in die USA vor – einschließlich Autos und Autoteilen. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US‑Industriegüter abzuschaffen und den Marktzugang für US‑Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern.
Die Umsetzung des Abkommens geriet jedoch ins Stocken. Weitere Zollandrohungen Trumps im Zusammenhang mit dem Grönland‑Konflikt sowie rechtliche Unsicherheiten nach einer US‑Gerichtsentscheidung, die zahlreiche Zölle für rechtswidrig erklärte, verzögerten den Vollzug. Auch das Europäische Parlament knüpfte die Umsetzung im März an zusätzliche Bedingungen. Zudem fehlt bislang die Zustimmung aller EU‑Mitgliedstaaten.
Die EU‑Kommission, zuständig für die Handelspolitik der Gemeinschaft, reagierte zurückhaltend, aber bestimmt. Sollte die Ankündigung umgesetzt werden, behält sich Brüssel Gegenmaßnahmen vor. Man setze weiterhin auf eine berechenbare und für beide Seiten vorteilhafte transatlantische Handelsbeziehung, hieß es. Zugleich betonte die Kommission, man werde alle Interessen der EU schützen, falls das Abkommen von US‑Seite verletzt werde.
Auch aus dem Europäischen Parlament kam scharfe Kritik. Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses, nannte die Ankündigung inakzeptabel. Während die EU ihre Verpflichtungen erfülle, verstoße die US‑Seite wiederholt gegen ihre Zusagen, erklärte er.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach von einer erneuten schweren Belastung für die transatlantischen Beziehungen. VDA‑Präsidentin Hildegard Müller forderte, dass das bestehende Handelsabkommen von beiden Seiten eingehalten werden müsse. Gleichzeitig mahnte sie Brüssel an, die vereinbarten Schritte konsequent umzusetzen.
Beobachter schließen nicht aus, dass die neuen Zolldrohungen auch politisch motiviert sind. Das Verhältnis zwischen der US‑Regierung und mehreren europäischen Staaten war zuletzt angespannt. Trump hatte Bundeskanzler Friedrich Merz, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez wiederholt öffentlich kritisiert – insbesondere wegen ihrer Haltung zum US‑Militäreinsatz gegen den Iran.
In diesem Zusammenhang drohte Trump zeitweise sogar mit einem Abzug von US‑Truppen aus Deutschland, Italien und Spanien. In mehreren europäischen Ländern hatte es Widerstand gegen die Nutzung von Militärstützpunkten für den Iran‑Krieg gegeben.
Die USA zählen zu den wichtigsten Absatzmärkten für deutsche Autobauer – insbesondere für Porsche, BMW und Mercedes‑Benz. Schon die bisherigen Zollerhöhungen hatten deutliche Spuren hinterlassen. Nach dem Abkommen von August 2025 sank der Zoll zwar von 27,5 auf 15 Prozent, lag damit aber weiterhin sechsmal höher als der frühere Satz von 2,5 Prozent.
Die erneute Eskalation dürfte die Branche weiter belasten. Bereits im vergangenen Jahr gingen die Autoexporte aus Deutschland in die USA spürbar zurück. Branchenexperten warnen, dass die US‑Zollpolitik den Trend verstärkt, Fahrzeuge zunehmend dort zu produzieren, wo sie verkauft werden – mit negativen Folgen für Arbeitsplätze in Europa und Deutschland.