Spatenstich für Berliner Brücke sorgt in Duisburg für Streit
Mit einem symbolischen Spatenstich will der Bund am Montagnachmittag in Duisburg den Startschuss für den Neubau der Berliner Brücke geben – eines der umstrittensten Autobahnprojekte im Ruhrgebiet. Die Brücke ist Teil der A59 und führt über Ruhr, Rhein‑Herne‑Kanal sowie Teile des Hafengeländes. Zum offiziellen Auftakt werden Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Michael Güntner, Chef der Autobahn GmbH, erwartet. Unterstützung kommt jedoch nicht von allen Seiten.
Zentrale Verbindung für Hafen und Logistik
Die Berliner Brücke ist mit einer Länge von rund 1,8 Kilometern ein komplexes Bauwerk aus mehreren aufeinanderfolgenden Teilbrücken. Sie verbindet den größten Binnenhafen der Welt mit zahlreichen Industrie‑ und Logistikflächen im Duisburger Norden. Ein Ausfall der Brücke wäre nach Einschätzung der Autobahn GmbH eine „Katastrophe“ für den Wirtschaftsstandort.
Im Oktober 2024 hatten erneute Prüfungen erhebliche Mängel ergeben, insbesondere bei der Tragfähigkeit für schwere Lkw. Seitdem ist der Abschnitt für den Schwerlastverkehr gesperrt.
Auftakt für umfassenden Ausbau der A59
Der Neubau der Berliner Brücke ist nur der erste Schritt eines deutlich größeren Projekts. Die Autobahn GmbH plant, die A59 auf rund 6,7 Kilometern grundlegend zu sanieren und sechsstreifig auszubauen. Vorgesehen ist zudem eine bessere Anbindung an das Autobahnkreuz Duisburg (A40) sowie an das Kreuz Duisburg‑Nord (A42).
Für das Gesamtvorhaben liegt bislang kein Baurecht vor. Aufgrund der besonderen Dringlichkeit hat das Fernstraßen‑Bundesamt jedoch einen vorzeitigen Baubeginn für die Berliner Brücke ermöglicht.
Stadt Duisburg fordert Tunnel statt Hochstraße
Heftig umstritten ist die geplante Ausführung des Ausbaus. Die Stadt Duisburg lehnt die von der Autobahn GmbH favorisierte Hochstraße im Stadtteil Meiderich wegen Lärm‑ und Umweltbelastungen ab und fordert stattdessen einen Tunnel. Für den Abschnitt in Hamborn verlangt die Stadt zusätzlich eine Überdeckelung der vorgesehenen Troglage.
Die Autobahn GmbH hat diese Forderungen auf Basis einer Machbarkeitsstudie zurückgewiesen. Ein Tunnel würde demnach rund 2,3 Milliarden Euro Mehrkosten verursachen und die Bauzeit von 6,5 auf nahezu 12 Jahre verlängern.
Klagedrohung und Proteste angekündigt
Die Fronten gelten als verhärtet. Oberbürgermeister Sören Link (SPD) sprach von verkehrspolitischen Konzepten aus den 1960er‑Jahren und schloss eine Klage ausdrücklich nicht aus. Die Stadt kündigte an, alle rechtlichen und politischen Mittel auszuschöpfen.
Zusätzlich hat ein Bürgerverein aus Duisburg‑Meiderich für den Nachmittag des Spatenstichs eine Protestkundgebung angekündigt. Kritisiert wird unter anderem die Nähe der geplanten Hochtrasse zur Wohnbebauung – teils mit Abständen von unter zehn Metern. Die Autobahn GmbH verweist dagegen auf umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen wie Schutzwände und lärmmindernde Fahrbahnbeläge.
Zeitdruck durch begrenzte Restlebensdauer
Für langwierige juristische Auseinandersetzungen bleibt wenig Spielraum. Nach aktuellen Prognosen ist die bestehende Brücke nur noch bis 2029 nutzbar. Bis dahin soll nach derzeitigem Stand zumindest eine neue Teilbrücke für den Verkehr in Richtung Süden fertiggestellt sein. Anschließend ist der Abriss der alten Konstruktion und der Bau einer zweiten Brücke für den Gegenverkehr vorgesehen.