Zwei Wochen nach Einführung des Tankrabatts kommt die Steuersenkung offenbar nicht vollständig bei Autofahrern und Transportunternehmen an. Auswertungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Ifo-Instituts zeigen, dass die Kraftstoffpreise zwar gesunken sind, die Entlastung an den Tankstellen aber unter der Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter bleibt.
Auch das Bundeskartellamt sieht Hinweise darauf, dass die Entlastung nicht vollständig weitergegeben wird. Für die Transport- und Logistikbranche bleibt die Entwicklung besonders relevant, da Diesel einen erheblichen Teil der laufenden Fahrzeugkosten ausmacht.
DIW sieht nur teilweise Weitergabe des Tankrabatts
Nach Berechnungen des DIW sind bislang rund zwei Drittel der Steuersenkung bei den Verbrauchern angekommen. Seit dem 1. Oktober seien die Kraftstoffpreise in Deutschland im Schnitt um zehn bis elf Cent je Liter stärker gefallen als in Frankreich, wo kein entsprechender Rabatt gilt.
Zuletzt habe sich dieser Effekt jedoch abgeschwächt. Seit dem 8. Oktober beziffert das DIW die Weitergabe auf durchschnittlich neun Cent je Liter. Die genaue Höhe hängt allerdings auch davon ab, welcher Zeitpunkt als Vergleichsbasis herangezogen wird.
Ifo errechnet höhere Entlastung bei Diesel
Das Ifo-Institut kommt für den Zeitraum vom 7. bis 13. Oktober auf eine etwas stärkere Weitergabe. Bei Super E10 errechneten die Wirtschaftsforscher eine Entlastung von 13 Cent je Liter. Bei E15 waren es 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent.
Damit bleibt jedoch auch nach diesen Berechnungen eine Differenz zur eigentlichen Steuersenkung von 16,7 Cent je Liter. Insbesondere am vergangenen Wochenende stellte das Institut eine geringere Weitergabe fest.
Bundeskartellamt sieht Lücke schon im Großhandel
Auch das Bundeskartellamt beobachtet die Preisentwicklung. Die bisherigen Auswertungen deuten nach Angaben der Behörde darauf hin, dass die Steuersenkung bereits bei Raffinerien und im Großhandel zwar weitgehend, aber nicht vollständig weitergegeben wird. Bei Benzin sei die Differenz größer als bei Diesel.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie widerspricht dieser Bewertung. Er verweist unter anderem auf zusätzliche Kostenfaktoren, die sich unabhängig vom Tankrabatt verändern. Dazu gehören die Kosten für die Erfüllung der vorgeschriebenen Bioquote und höhere Transportkosten infolge des Niedrigwassers auf dem Rhein.
Spritpreise bleiben für Fuhrparks auf hohem Niveau
Von einer deutlichen Entspannung an den Tankstellen kann bislang nicht gesprochen werden. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt lag Super E10 zuletzt bei 2,146 Euro je Liter. Für Diesel wurden durchschnittlich 2,255 Euro je Liter fällig.
Damit war E10 sogar etwas teurer als zu Beginn des Tankrabatts, während Diesel geringfügig günstiger war. Für Speditionen und andere Unternehmen mit großen Fahrzeugflotten bleibt Kraftstoff damit ein erheblicher Kostenfaktor.
Deutschland bei Kraftstoffpreisen weiter im EU-Spitzenfeld
Auch im europäischen Vergleich sind die Kraftstoffpreise in Deutschland weiterhin hoch. Super E10 war zuletzt im EU-Vergleich am vierthöchsten, Diesel lag auf Rang sechs.
Der Tankrabatt hat Deutschlands Position zwar etwas verbessert, die grundsätzliche Kostenbelastung bleibt jedoch bestehen. Für Transport- und Logistikunternehmen ist deshalb entscheidend, wie sich neben der Steuerentlastung auch Rohölpreise, Raffineriekosten und die Versorgungssituation in den kommenden Wochen entwickeln.