Batterieelektrische Lkw entwickeln sich nach Einschätzung von MAN Truck & Bus zunehmend von einer alternativen Antriebstechnologie zu einem strategischen Erfolgsfaktor für Speditionen und Transportdienstleister. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Strategiereport „Beyond Diesel“, in dem das Unternehmen die wirtschaftlichen und operativen Potenziale elektrifizierter Flotten untersucht.
Bereits heute sind nach Angaben von MAN mehr als 15.000 E-Lkw auf Europas Straßen unterwegs. Betrieben werden sie von rund 5.000 Transport- und Logistikunternehmen.
Regulierung und Kunden treiben Elektrifizierung
Der Nutzfahrzeugmarkt steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Neben strengeren europäischen CO₂-Vorgaben verlangen zunehmend auch Verlader und Industrieunternehmen klimafreundliche Transportlösungen in ihren Ausschreibungen.
Damit wird die Elektrifizierung für viele Transportunternehmen zunehmend zu einer Voraussetzung für die Teilnahme an bestimmten Aufträgen und Lieferketten.
Studien gehen davon aus, dass batterieelektrische Fahrzeuge bis 2030 einen deutlich höheren Anteil bei den Neuzulassungen schwerer Nutzfahrzeuge erreichen werden.
Entscheidend ist das Gesamtsystem
Nach Einschätzung des Herstellers liegt der wirtschaftliche Vorteil nicht allein im Fahrzeug selbst, sondern im Zusammenspiel aus E-Lkw, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement.
Da der Großteil der Ladevorgänge auf dem Betriebshof erfolgt, gewinnen Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und intelligente Ladestrategien zunehmend an Bedeutung. Sie haben entscheidenden Einfluss auf die Energiekosten und damit auf die Gesamtbetriebskosten der Fahrzeuge.
Unter günstigen Bedingungen können batterieelektrische Lkw laut MAN über mehrere Jahre einen Kostenvorteil gegenüber Diesel-Fahrzeugen erzielen.
Praxisbeispiele aus Europa
Im Strategiereport analysiert MAN verschiedene Unternehmen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Elektrifizierung befinden.
Das italienische Unternehmen Foppiani Transport steht für den schrittweisen Einstieg in die Elektromobilität. Neben ersten Elektro-Lkw investiert der Betrieb in Photovoltaik und Depotladen und bindet Kunden aktiv in die Transformation ein.
Skalierung durch eigene Energieversorgung
Das Betonwerk Bad Lausick setzt bereits mehrere elektrische Sattelzugmaschinen ein und kombiniert diese mit einer umfangreichen Energieinfrastruktur aus Schnellladepunkten, Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern.
Für das Unternehmen steht dabei vor allem die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Die Elektrifizierung wird nicht als Imageprojekt verstanden, sondern als betriebswirtschaftliche Entscheidung.
Elektrifizierung als Geschäftsmodell
Noch einen Schritt weiter geht das österreichische Unternehmen Schlager Transport Logistik. Dort ist die Elektrifizierung bereits fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Flotte besteht nach Unternehmensangaben bereits heute zu einem erheblichen Teil aus batterieelektrischen Fahrzeugen.
Ziel ist eine weitgehende Elektrifizierung des Fuhrparks in den kommenden Jahren, unterstützt durch eine eigene Energieversorgung am Standort.
Früher Einstieg kann Vorteile bringen
Der MAN-Report kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen, die frühzeitig Erfahrung mit E-Lkw, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement sammeln, Wettbewerbsvorteile erzielen können. Neben möglichen Kostenvorteilen zählen dazu auch der Zugang zu neuen Ausschreibungen und die Positionierung als Partner für emissionsarme Lieferketten.
Aus Sicht von MAN wird die Transformation deshalb zunehmend nicht nur zu einer technologischen, sondern vor allem zu einer strategischen Entscheidung für die Transportbranche.