Studie: Flottenmanager unterschätzen Ladungsdiebstahl

10.04.2026 12:23 Uhr | Lesezeit: 3 min
Frachtdieb an der Rückseite eines Lkw-Trailers
Die neueste Geotab-Studie warnt vor wachsendem Risiko durch Ladungsdiebstahl
© Foto: VerkehrsRundschau

Eine Geotab-Studie zeigt: Viele Flottenmanager sorgen sich trotz zahlreicher Vorfälle und stark steigender Schäden weniger um Ladungsdiebstahl.

Viele Flottenbetreiber in Deutschland und Europa unterschätzen offenbar weiterhin das Risiko von Ladungsdiebstahl. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Telematik‑Anbieters Geotab, die auf einer Befragung von mehr als 3.500 Flottenmanagern in sieben europäischen Ländern basiert. Trotz hoher Vorfallszahlen und stark wachsender Schäden nimmt die Besorgnis in der Branche spürbar ab.

Hohe Fallzahlen bei sinkender Wachsamkeit

Laut Studie geben 64 Prozent der befragten Flottenmanager europaweit an, sich heute weniger Sorgen um Ladungsdiebstahl zu machen als noch vor einem Jahr. In Deutschland liegt dieser Anteil sogar bei 75 Prozent. Damit zählt der deutsche Markt zu den Ländern mit der geringsten Sensibilität, lediglich Italien (81 Prozent) und Frankreich (80 Prozent) weisen noch höhere Werte auf.

Diese Entwicklung steht im deutlichen Gegensatz zur Realität: Die Befragten berichten im Durchschnitt von 34 Diebstahlvorfällen pro Jahr, in Deutschland liegt der Wert mit 38 Vorfällen noch darüber. Branchenzahlen zeigen zudem, dass die finanziellen Verluste durch Ladungsdiebstahl seit 2022 um 438 Prozent gestiegen sind.

Technologische Lücke bei der Prävention

Die Studie macht eine wachsende Diskrepanz zwischen professionell organisierten Diebstahlsmethoden und den eingesetzten Sicherheitsmaßnahmen der Flotten sichtbar. Kriminelle nutzen zunehmend technologische Schwachstellen, um klassische Schutzmechanismen zu umgehen. Dennoch setzt in Europa keine einzige Sicherheitstechnologie flächendeckend Maßstäbe in der Branche.

Kameras sind mit 27 Prozent zwar die am häufigsten eingesetzte Maßnahme, fortschrittlichere Instrumente wie Echtzeit‑Trailertracking, sensorbasierte Warnsysteme oder verifizierte Fahreridentifikation kommen deutlich seltener zum Einsatz.

Versicherung statt Prävention

Besonders kritisch bewerten die Studienautoren den weit verbreiteten reaktiven Umgang mit dem Thema: 22 Prozent der Flottenbetreiber – sowohl in Deutschland als auch europaweit – verlassen sich ausschließlich auf ihren Versicherungsschutz, um Verluste auszugleichen. Prävention, Aufklärung und Rückgewinnung bleiben damit vielfach unberücksichtigt. Die Folgekosten werden indirekt an Kunden weitergegeben, etwa über höhere Prämien oder Preise.

Risiken für Lieferketten und Fahrer

Trotz nachweisbarer betrieblicher Auswirkungen fehlt es laut Studie an einem klaren Konsens zu wirksamen Sicherheits‑ und Wiederherstellungsstrategien. Größere Flotten melden zwar mehr Vorfälle, zeigen jedoch häufig eine geringere Besorgnis – ein Widerspruch, der laut Geotab zusätzliche Risiken für Lieferketten, Fahrer und Kunden schafft.

Angesichts organisierter und zunehmend grenzüberschreitender Kriminalität erwarten die Studienautoren auch für 2026 weiter steigende Fallzahlen. Vor diesem Hintergrund empfehlen sie einen Wechsel von reaktiven hin zu datenbasierten Sicherheitsstrategien, kombiniert mit moderner Technologie und regelmäßigen Schulungen.



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